Dienstag, 13. April 2010


Kölner Stadtanzeiger und ihre Artikel über das Radfahren

Gestern stand in der Onlineausgabe des Kölner Stadtanzeigers ein Artikel, bei dem die vielen Unfälle am vergangenen Wochenende mit Fahrradfahrern beschrieben wurden. Hier schrieb der Anzeiger zum Beispiel dass jeder dieser Unfälle hätte viermieden werden können, wenn einer der Beteiligten etwas aufmerksamer gewesen wäre. Ach, ist das so? Ich hätte nicht gedacht dass die Aufmerksamkeit eines Verkehrsteilnehmers zur Vermeidung von Unfällen beitragen kann! Meiner Meinung nach ein selten blödsinnigen Satz. Die Statistik, die der Anzeiger in seinem Artikel präsentiert, ist der absolute Knaller. Hier wird behauptet, dass bei 50 % der Unfälle die der Stadtanzeiger aufführte, der Radfahrer Schuld gewesen sei. Sicherlich eine richtige Aussage, aber eine, die meiner Meinung nach auf einer statistischen Lüge beruht. Zwei Mal hätten Autofahrer die Wagentür unachtsam aufgerissen und ein Radler sei mit dieser Tür zusammengestoßen. Zwei Mal hätte ein Autofahrer einen Radfahrer beim Abbiegen umgefahren. Zwei Mal seinen zwei Fahrradfahrer zusammengestoßen. Ein Mal gab es einen betrunkenen Fahrradfahrer, der stürzte. Und ein Mal sei eine Frau gegen einen Rasenkantenstein gefahren, stürzte und verletzte sich. Wenn man nun die Unfälle ausklammert, die in dieser Statistik nichts zu suchen haben, blieben nur noch 4 Unfälle übrig. Der betrunkene ist ein Sonderfall und dort ist auch kein dritter zu Schaden gekommen. Für die Rasenkantenstein-Frau gilt das Selbige. Zwei Radfahrer die sich gegenseitig umfahren, haben hier auch nichts verloren, da dort nur ein Radfahrer Schuld haben kann. Und wenn der Stadtanzeiger diese Unfälle auch verarbeiten will, sollte er auch die Unfälle mit aufführen, wo 2 Autofahrer miteinander einen Unfall hatten. Dann sähe die Statistik ganz anders aus! Nun bleiben nur noch 4 Unfälle zur Auswertung. Mal ganz schnell gerechnet komme ich nun aber auf 100% Schuld bei den Autofahrern. Nur noch mal zur Erklärung: ich habe alle Unfälle ausgeklammert, bei denen überhaupt keine nichtfahrradfahrenden Verkehrsteilnehmer vorkommen. Mit anderen Worten; ich habe nur die Unfälle hier zugelassen, bei denen überhaupt jemand anderes Schuld haben könnte, als ein Radfahrer. Aber nicht dass es hiermit schon ein Ende hat. Nein, es geht weiter mit Zitaten von unserem Fahrradbeauftragen Jürgen Möllers. Er wurde mit den Worten „Dort, wo es geht, soll der Radverkehr nicht über bauliche Radwege, sondern über die Fahrbahn geführt werden.“, zitiert und das auch noch als Zielsetzung der Stadt Köln dargestellt. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Fakt ist, dass jede Kommune nur dann eine Benutzungspflicht für einen Radweg aussprechen darf, wenn laut § 45 Abs. 9 StVO eine besondere Gefahrenlage vorliegt, die über das normale Maß hinausgeht. Ansonsten haben Fahrzeuge – dazu gehören auch Fahrräder – die Fahrbahn zu benutzen - §2 (1) StVO. Der Kölner Stadtanzeiger erklärt aber noch den Fahrradschutzstreifen mit folgenden Worten:“… mit gestrichelten Linien markierte Radspuren auf der Straße, die bei Bedarf von Autos mitbenutzt werden dürfen“. Na ja, nicht ganz falsch aber auch alles andere als wirklich richtig beschrieben. Ein Autofahrer könnte nun davon ausgehen, dass er den Schutzstreifen befahren darf. Er könnte laut dieser Erklärung auch davon ausgehen, dass er auf dem Schutzstreifen parken und halten darf. Das ist aber nicht so. Lediglich überfahren darf er ihn. Also wenn der Schutzstreifen überfahren werden muss um z.B. rechts abzubiegen, darf er ihn überfahren – mehr aber auch nicht. Der Kölner Stadtanzeiger hat in diesem Artikel meiner Meinung nach nichts falsches geschrieben, aber nur die halbe Wahrheit beschrieben. Über guten Journalismus kann man hier also streiten. Ich bin mir aber über deren Güte nun im Klaren.

Kommentare:

rolandbruehe hat gesagt…

Danke für den Beitrag und den Hinweis auf den Artikel. Interessant ist es ja, sich die Online-Kommentare zu dem Artikel anzuschauen. Da schimpfen Autofahrer über Radfahrer, Straßenbahnfahrer über Radfahrer, Radfahrer über Radfahrer etc. Auch wenn ich gerne mal zu letzterer Gruppe gehöre, weil mich das Verhalten mancher Radfahrer im Radfahreralltag stört, denke ich, dass das gegenseitige Beschimpfen nicht wirklich hilfreich und förderlich ist. Und ich frage mich, wie die von Dir zurecht benannte Selbstverständlichkeit der gegenseitigen Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zur Vermeidung von Unfällen in die Köpfe und in die Herzen gebracht werden kann. Nicht selten ertappe ich mich dabei, dass ich mir wünschte, ein Schild erheben zu können wie z.B. "Sie fahren auf der falschen Straßenseite!". Aber das führt wahrscheinlich zu mehr Aggression als zur Einsicht.
Eigentlich wäre es schön, wenn sich dazu eine Initiative von Radfahrern bilden könnte, die dem von Rita Süßmuth damals zur krisenhaften Frühzeit von AIDS propagierten und umgesetzten Motto Aufklärung statt Bestrafung (in diesem Falle auch: Beschimpfung) folgen würde und geeignete aufklärerische Arbeit für alle Verkehrsteilnehmer leisten würde. Denn von den "offiziellen" Stellen (wie z.B. dem Fahrradbeauftragten oder der Polizei) ist eine solche Arbeit nicht zu erwarten.

Arne hat gesagt…

@ Roland

Sollten wir nicht, bevor wir die Opfer des Systems belehren, versuchen, das System so zu gestalten, dass ein Fehlverhalten nicht mehr möglich, geschweige denn interessant ist? Wann hast Du Deinenen letzten Brief an das Amt für Strassen und Verkehrstechnik, an die Verkehrsdirektion der Polizei oder an Velo 2010 geschickt!? Ich dachte, Du hättest verstanden was ich in Deinen Blog-Kommentaren versucht zu kommunizieren habe.

Die Freundlichkeiten kommen dann von alleine.

http://radfahreralltag.wordpress.com/2010/02/26/hilfe-radfahrer-uber-die-gefahrdung-auf-schneefreien-strasen/

Highner hat gesagt…

Also ich habe da ja eine ganz eigene Meinung zu: wir müssen uns alle Gedanken darüber machen, wie man den Radfahrer als vollwertiges Verkehrsmitglied integrieren kann. Ja ja, ich weiß - das ist er doch. Auf dem Papier stimmt das auch. Leider ist er das aber nicht bei manchen Behörden und in den Köpfen vieler anderer Verkehrsteilnehmer. Wenn dieser Gedankenumschwung stattgefunden hat, würden sich einige - wenn auch nicht alle - Probleme von alleine lösen. Und mal ehrlich; ist das nicht auch der Grund, warum wir uns in unserer Freizeit hinsetzen und diese Artikel in unsere Blogs schreiben?!
LG
Highner