Gestern ergab sich, dass ich auf dem Heimweg von einem Polizeiauto behindert wurde. Dieses Auto stand auf dem benutzungspflichtigen Fahrradweg, obschon die Straße alle Möglichkeiten des ordnungsgemäßen Parkens bot. Ich schätze dass knapp 60 Autos, ordentlich und ohne Behinderung des Rad- oder es Straßenverkehrs dort noch Platz gehabt hätten.
Wie es mir also der Gesetzgeber gebietet, drehte ich mich um, vergewisserte mich dass ich keinen anderen Verkehrsteilnehmer behindern würde und weichte auf die Straße aus. Gerade am Einsatzfahrzeug vorbei gefahren passierte das was natürlich passieren musste; ein – in diesem Falle – Mercedes S-Klasse Fahrer bedränget mich von hinten, hupte dass selbst die Kirchenglocken des Petersdoms hätten nicht mithalten können und überholte mich dann mit einem Abstand, der dem Fahrer fast seinen Außenspiegel und mich meine Gesundheit gekostet hätte.
Eigentlich hätte ich die Sache auf sich beruhen lassen, bin ich doch solche Situationen gewohnt. In diesem Fall musste ich aber an die Berichte einiger anderen Fahrradblogger denken, die schon mal mit Polizisten in Konflikt geraten waren. Also habe ich ein Foto des parkenden Einsatzwagens gemacht und bin mit diesem Bildmaterial zur nächsten Polizeiinspektion (Prinzregentenplatz, München) gefahren. Die Augmentation des dort diensthabenden Beamten war mir zwar schon aufgrund der vielen Berichte in der Fahrradblogszene klar, aber ich wollte es einmal selber mitbekommen.
Ein Beamter begrüßte mich und frage mich sehr nett nach meinem Begehr. Ich schilderte ihm, mit bewusst ruhigen Ton und mit sehr bedachten Worten die Situation. Der Polizist meinte darauf hin, dass es sich wahrscheinlich um einen Einsatz gehandelt habe, würde aber gerne mal in seinen Protokollen diese Vermutung bestätigt wissen. Das tat er auch. Angeblich würde es sich hier tatsächlich um eine Einsatz gehandelt haben und die Kollegen seien somit von der StVO befreit gewesen. Mein Gesprächspartner hat mir sogar ansatzweise den Grund des Einsatzes genannt. Eine ältere Dame sei in einem Nachbarhaus tot aufgefunden worden. Auf meine Frage hin, warum das ein Grund gewesen sei den Fahrradweg zu blockieren, immerhin sei ja in der „Radfahrernovelle“ von 1997 (§ 49.9 StVO) klar ersichtlich, dass diese Stelle eine besondere Gefährdung des Radverkehrs auf der Straße darstelle, wurde sein Ton leicht angespannter. Ich hatte das Gefühl, er fühlte sich von mir persönlich angegangen. Es sei, so der Beamte, keine Zeit bei einem Einsatz über solche Dinge nachzudenken. Er selber würde auch in einem Einsatz dort parken wo es ihm gerade in den Sinn komme. Es würde halt bei einem Einsatz jede Sekunde zählen. Es sei aber schon für ihn nachvollziehbar, dass an einem Tag, der 10°C wärmer als der Vortag sei, die Gemühter hochkochen würden. Fakt ist übrigens, dass es gestern nur 4°C wärmer als vorgestern war. Aber das nur mal so nebenbei. Des Weiteren würde des ja schon zum guten Ton gehören linkes Gedankengut verinnerlicht zu haben und dass man dann natürlich gleich auf die Barrikaden gehe, wenn dieses Auto ausgerechnet noch ein Einsatzwagen der Polizei sei. Außerdem hätte sich nicht die Polizisten, sondern ich mich falsch verhalten. Ich hätte auf keinen Fall auf die Straße ausweichen dürfen! Ich hätte anhalten, absteigen und das Fahrzeug auf dem Bürgersteig laufender Weise ausweichen müssen.
Mal davon abgesehen, dass der Polizist absoluten Schwachsinn erzählte, stellt sich bei mir die Fragen, was es für einen Unterschied macht, wenn die Polizei bei einer Leiche 2 Sekunden später eintrifft und damit den Radverkehr nicht massiv gefährdet.
Mit den Worten, dass ich sehr geschockt sei, dass er sein Gehirn bei der Anfahrt zu einem Einsatzort ausstellen würde (ähnlich hat er es tatsächlich formuliert), ihn aber dennoch dankbar für seine Zeit sei, die er sich für mein Anliegen genommen habe, verabschiedete ich mich dann.














